Ist unser Wald zu retten? - Unser Wald ist zu retten!


Unser Wald ist zu retten!

Unser Wald ist zu retten!

Über 60 Interessierte kamen zum Komturhof, um sich über das so wichtige Thema Waldzustand zu informieren und auseinanderzusetzen.

Unser Revierförster Lutz Böge, seit 35 Jahren ein Mann der Praxis, verstand es, anhand seiner Erfahrungen die aktuelle Situation besonders im Kommunalwald Ilsenburg, Drübeck und Darlingerode sachlich und gut verständlich darzustellen. Besonders die Trockenheit der letzten beiden Jahre übertraf alles bisher Dagewesene und führte zum Tod speziell von Fichtenschlägen. Die von ihm mitgebrachten noch quicklebendigen Borkenkäfer machten im Reagenzglas und auf Borkenstücken die Runde im Forum und riefen ob ihrer Miniaturgröße Erstaunen hervor.

Auf Grund des Umfangs der Schäden und begrenzter technischer und personellen Kapazitäten steht aktuell die Rettung von Schlägen an, die z.T. noch einen gesunden Bestand aufweisen. Bürgermeister Dennis Loeffke machte deutlich, dass die Stadt Ilsenburg dafür bereits 2019 zusätzliche Mittel bereitgestellt hat. Das wird auch im nächsten Jahr so sein und hoffentlich durch Fördermittel von Land und Bund aufgestockt.

In einer regen Diskussion wurden eigene Beobachtungen dargelegt und nach bewährten Bekämpfungsmethoden aus der Vergangenheit gefragt. Die Vermutung, dass der Nationalpark Verursacher der Katastrophe wäre, wurde sachlich entkräftet. Bianca Kuhn machte sehr überzeugend deutlich, was jeder von uns im täglichen Leben tun kann, um der Klimakrise entgegen zu treten.

Einen konkreten Vorschlag unterbreitete der Darlingeröder Gerd Annemüller. Er regte an, im Dorf eine Gruppe zu bilden, die Flächen, in denen mit Technik Totbäume entfernt wurden, zu beräumen. Besonders an Wanderwegen könnte das sinnvoll sein. Später könnte man sich dann an Baumpflanzaktionen beteiligen.

Förster Böge fasste zusammen, dass wir auch künftig auf die Fichte angewiesen sind aber auch andere Baumarten verstärkt aufkommen werden. Zudem wird Wald auf unseren Flächen entstehen, wie ihn nur die Natur selbst hervorbringen kann.

Es wird unseren Wald also auch künftig geben, doch wird er anders als bisher gewohnt aussehen.

Eberhard Schröder


Forum - Unser Wald

Notizen am 07. November 2019 von Dr. Peter Höhne, Ilsenburg

Ist unser Wald zu retten? Darlingerode, 7.11.2019 mit Revierförster Lutz Böge

Herr Böge ist Förster seit 1984. Anwesend sind ca. 50 bis 70 Personen

VORTRAG:

Die Fichten sind geschwächt, bilden kaum Harz, deshalb kann der Käfer die Bäume befallen. Insektizide nützen kaum etwas weil die Käfer und Larven unter der Borke vor Kontaktgiften geschützt sind. In normalen Sommern gab es 2 bis 3 Generationen im Jahr, in den letzten Jahren bis zu 5.

1 Käfer kann im Jahr insgesamt 500 000 Nachkommen haben.

Bekämpfen: Bäume fällen, mit den Käfern abtransportieren oder das gefällte Holz begiften, das tötet zumindest die schlüpfenden Käfer.

Zurzeit ist das Holz kaum zu verkaufen. Der Abtransport ist teurer als der Erlös.

50 € / m³ Kosten, 8- 13 € / m³ Einnahme.

Schwieriges Gelände, deshalb schwere Maschinen oder viele Arbeiter nötig (s. Hilfe der Bundeswehr).

Vor allem ältere Fichten sind befallen.

Fichtenholz ist vielseitig verwendbar, z.B. Bauholz. Deshalb unverzichtbar.

Auch Lärchen gehen von Klima und Borkenkäfern kaputt. Douglasien widerstehen.

Ebereschen und Birken breiten sich von selbst aus.

Ahorn, Eiche, Eberesche usw. werden durch Wild gefährdet, also einzäunen. Ohne Gatter geht es nicht.

Die Birke hat kaum wirtschaftlichen Wert.

 DISKUSSION:

Bürgermeister Loeffke: bisher hat es die Stadt Ilsenburg 80 000 EUR gekostet, in diesem Jahr werden es vorrausichtlich 200 000 EUR werden.

Zurzeit gibt (oder macht?) die Harvester-Firma 1 EUR Gewinn pro m³, ein Teil des Holzes ist gar nicht zu verkaufen.

Früher: 90 EUR/m³ für Sägeholz, jetzt: 25 EUR/m³.

Es ist schwierig, die Maschinen zu bekommen (ausleihen).

Engpass bei Gattern und bei jungen Pflanzen von den Baumschulen.

Käferfallen nützen zum Bekämpfen nichts, nur als Kontrollmöglichkeit. Das natürliche Käfer- Pheromon hat größere Anziehungskraft.

Wirtschaftswald: kann man nicht nur so lassen, man muss versuchen, aufzuforsten, probieren, welche Bäume geeignet sind.

Waldbesitzer verkaufen ihre Flächen weil sie Verluste machen.

Der Harz ist besonders betroffen, liegt am Wetter, nicht am Nationalpark (Wetterschatten vom Brocken). Es gibt zum Beispiel gleiche Probleme in Ballenstedt, weit ab vom Nationalpark.

Birkenwald ist Vorwald, (kommt nach der Brombeere), in 50 – 60 Jahren wächst ein anderer Wald.

Die Wanderwege werden wieder in Ordnung gebracht (gelitten durch die Maschinen), es müssen aber Prioritäten gesetzt werden (zeitlich; beschränkte Mitarbeiterzahl).

(Zwischenruf): „ Die Fridays - for - Future sollen das machen!“

„Der Nationalpark und die Landesregierung sollen den Waldbsitzern helfen, weil die Schuld sind.“

Ein Zuhörer schlägt vor, dass die Darlingeröder freiwillig im Wald arbeiten, z.B. Bäume pflanzen. (Beifall)

Zuhörerin: „Wir sollten alle umweltbewusster sein, damit das Klima nicht noch schlechter wird.“


Ist unser Wald zu retten?

Pressemitteilung vom 25.10.2019 zur Einladung:

Viele Fragen zum Waldzustand und die Sorge, ob unser Wald noch zu retten ist, beschäftigen uns täglich. Der Heimatverein Darlingerode will nun im Rahmen seiner Reihe „Komm zum Komturhof“ dieser für uns so entscheidenden Entwicklung näherkommen.

Dazu wird am 07. November 2019 ab 18 Uhr Revierförster Lutz Böge als Gast im Komturhof Darlingerode begrüßt.

„Wir wollen damit ermöglichen, dass die Besucher sich im direkten Kontakt mit unserem Förster und nicht nur über Medienberichte, mit dem Thema auseinanderzusetzen können“, erläutert Eberhard Schröder vom Vereinsvorstand.

Lutz Böge betreut seit Jahren im Auftrag der Stadt Ilsenburg den Kommunalwald der Forstreviere Darlingerode, Drübeck und Ilsenburg und den Wald von Privatbesitzern.

Nach dem Vortrag des Fachmannes zur aktuellen Situation in unseren Wäldern, zu möglichen weiteren Entwicklungen und bisher eingeleiteten Maßnahmen, besteht die Möglichkeit, mit Fragen, eigenen Erfahrungen und Vorschlägen das Thema zu vertiefen. Der Heimatverein hofft auf einen regen Zuspruch zu diesem wichtigen Thema.

„Natürlich geht es auch um die Frage, wie unser Wald künftig aussehen wird und was wir selbst tun können, damit kommende Generationen in unseren Orten und mit den sie umgebenden Wäldern gut leben können“, so Schröder abschließend.